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13. Juli 2008

Prolog: Glauburg-Stockheim - Lauterbach

Tour-Tagebuch: Der Berg ruft!

Das war heute die Übungsetappe für die geplante Radtour im August: 77 km mit 423 zu überwindenden Höhenmetern, deren Hauptteil sich im Laufe von 20 Kilometern zwischen Ortenberg und dem Col de Hartmannshain unüberwindlich übereinander türmen. Schroffe Basaltfelsen, die schrundigen Klüfte des Vogelsbergs und schließlich die sanften Hügellandschaften der mittelhessischen Provinz.

Wir nahmen die Etappe heute früh von Glauburg-Stockheim aus in Angriff. Dabei haben wir einen kurzen Blick auf das Grab des Keltenfürsten geworfen. Allerdings mussten wir dafür den ganzen Glauberg hochfahren - und so war unser Einstieg in den Vulkanradweg ja nicht gedacht. Ich hatte beim Einstieg leichte technische Probleme, so dass C. in Führung ging. Der neutralisierte Start erfolgte dann glücklicherweise erst in Stockheim, als es mir gelungen war, meine technischen Schwierigkeiten zu ignorieren.

Von Stockheim aus ging es zunächst eben bis Ortenberg. Kurz hinter Ortenberg folgte dann aber der erste, bereits recht scharfe Anstieg auf die Höhe von Hirzenhain. Bei km 20 passierte die Strecke Gedern. Von dort aus schraubte sie sich Haarnadelkurve um Haarnadelkurve unerbittlich in luftige Höhe. Man biegt um eine Kurve und steht vor einer Wand! Am Ende der trotz trockener Bedingungen an der Strecke anspruchsvollen Steigungen erreichen wir den Col de Hartmannshain, den höchsten Punkt der Strecke. Auf der offenen baumlosen, durch Windrotoren gekennzeichneten Höhe wehte ein strammer, leicht von vorn kommender Wind.

Am Col de Hartmannshain gab es die erste und einzige Bergwertung dieses Tages, bei der ich natürlich in Erwartung der Verpflegungsstelle die maximale Punktzahl einstreichen konnte. Die erste Etappe werde ich daher im gepunkteten Trikot fahren können. Hinter der Verpflegungsstelle (die uns im übrigen prima mit Vanilleeis mit heißen Kirschen versorgt hat) stürzt sich die Route ebenso schroff, wie sie im Vorfeld anstieg, wieder hinunter. Am Fuße dieses langen und schwierigen Abstiegs, der högschde Konzentration erforderte, lag C. in Führung und sicherte sich damit das grüne Trikot für die erste Etappe.

Zwischen Grebenhain und Herbstein verläuft die Strecke relativ eben. Wir wechselten uns in der Führungsarbeit ab und machten eine kurze Stretch-Pause. Von Herbstein, wo wir den in der Karte eingezeichneten Galgen vergeblich gesucht haben, führt die Route dann wieder steil abwärts bis nach Lauterbach. Der Bahnhof liegt am anderen Ende. Die Strecke führt über Kopfsteinpflaster und unsere gequälten Hinterteile haben aufgejault. Am Ende (und nach zweieinhalbstündigem Amüsement in der Bahn) haben wir es dann aber dennoch geschafft und sind wohlbehalten und ohne größere Blessuren wieder daheim.

9. Juli 2008

Muskelkater

Tübingen, Nachmittag mit Schäfchenwolken

Noch immer bin ich in der schwäbischen Provinz. Aber soviel Ruhe und Abgeschiedenheit hat auch seine Vorteile. Ich komme richtig in Ruhe zum Denken - Muße ist ein schönes Wort dafür.

Tübingen ist, wie sein italienisches Pendant, auf mindestens sieben Hügeln erbaut. Egal, wo man herkommt und egal, wo man hinmöchte - ersteres ist stets unten und letzteres immer oben. Um in den Lessingweg zu gelangen, muss ich eine lange, gewundene Straße den Hügel hinauf nehmen. Und die ist ziemlich steil. Sogar die Fahrspuren für den motorisierten Verkehr mussten geteilt werden, weil es dort nicht genügend Platz gibt für zwei nebeneinander. Auf dem Weg zum Institut habe ich die Auswahl zwischen einem langen, steilen, gewundenem Anstieg und einer Treppe mit mindestens hundert Stufen. Letztere ist mir meist lieber. Allerdings leiden auf Dauer die Knie erheblich. Mit Blick auf meine höchstpersönliche Mobilität könnte ich auf die Hügel gut und gern verzichten.

Gestern war ich im Sportstudio trainieren. Dort konnte ich festgestellen, dass die Tübinger im Vergleich zu denen zuhause von vornherein schätzungsweise zwanzig Pfund mehr auf solche Maschinen packen, mit denen Beinmuskeln trainiert werden können. Was lernen wir daraus? Die Tübinger haben dank ihrer Trepp-ab-Hügel-auf-Topographie alle ziemlich muskulöse Oberschenkel. Sie gucken auch ziemlich verbissen. Ob das auch an den Hügeln liegt?

7. Juli 2008

Lessing statt Voltaire

Tübingen, kurz vorm Abendessen in der schwäbischen Provinz

Mal eben Voltaire gegen Lessing eingetauscht. Jetzt frag ich mich natürlich, ob das so eine gute Idee war. Aber Tübingen ist sehr gemütlich, schwäbisches savoir vivre, wenngleich vielleicht auch nicht mit französischer Eleganz. Aber gut gehen lassen kann man es sich schon hier.

Im Augenblick bescheint die Sonne die Altstadt weiter unten vor meinem Fenster. Ein Lüftchen säuselt durch die Blätter, die leise rascheln. Ich habe im Lessingweg Quartier bezogen. Eigentlich hat Tübingen, soweit ich sehen kann, sonst nichts mit Lessing zu tun. Aber immerhin war Lessing ein Zeitgenosse Voltaires und die beiden sind sich wohl auch begegnet, wenn auch in Berlin und nicht in Tübingen.

6. Juli 2008

Café Le Voltaire

Argenton-sur-Creuse: Blaue Stunde am späten Nachmittag

"Le travail éloigne de nous trois grands maux: l'ennui, le vice, et le besoin."
Candide, ou l'optimisme, Francois Marie Arouet Voltaire

Nach ein paar regnerischen Tagen sitzen wir jetzt verträumt, aber immerhin trocken vor dem Café Le Voltaire. Die Sommer-Schule neigt sich ihrem Ende und bald geht es wieder nach Hause ins Hamsterlaufrad.

Das soll mich aber nicht davon abhalten, hier nochmal über einem Demi zu philosophieren. In Ruhe geht das sowieso alles viel besser als daheim, wenn die Gedanken einander durch mein Hirn hetzen. J. zufolge hängt das alles mit meiner mehr oder minder calvinistischen Erziehung zusammen. Ich gönne mir keine Pause, weil ich ständig in Betrieb sein muss; sonst fühle ich mich schuldig. Da ist durchaus was dran. Aber was hilft da die Selbsterkenntnis? Wenn man doch willentlich nichts daran ändern kann? Schuldgefühl ist nunmal mit Ratio nicht beizukommen.

Argenton-sur-Creuse ist jedenfalls der entspannten Betrachtung eigener Mängel zuträglich. Ich weiß zwar immer noch nicht, wie ich mein Problem lösen kann, aber ich arbeite dran.

25. Juni 2008

Im Herzen Frankreichs

Nachmittag in Argenton-sur-Creuse

Seit zwei Tagen bin ich wieder in Frankreich. Diesmal war mein Aufenthalt in Paris aber nur sehr kurz - eine Nacht. Es ging sofort weiter nach Argenton, und das liegt mitten in Frankreich. Wirklich mitten drin. Geologisch gesehen befinden wir uns genau an der Grenze zwischen dem Pariser Becken und dem Massif Central.

Wenn man sich hier so umtut, merkt man sehr schnell, dass es überraschend wenig Vorbehalte gegenüber Deutschen gibt. Da ich Frankreich auch schon anders erlebt habe, ist das sehr angenehm. Im Gegenteil: Hier in Argenton ist Frankreich genau so, wie sich das ein romantisches deutsches Hirn zusammenspinnt. In der Ortsmitte gibt es zwei Cafés, natürlich genau gegenüber gelegen und getrennt durch die Hauptstrasse. Und selbstverständlich ist es eine Glaubensfrage, ob man nun das eine oder das andere frequentiert. Ansonsten gibt es nicht viel: einen Laden, Enten in der Creuse, in der angeblich gebadet werden kann, ein Supermarkt draußen auf der grünen Wiese. Das mit dem Bad habe ich noch nicht ausprobiert. Ehrlich gesagt hat die Creuse dank hunderter kleiner Dämme eine Respekt einflössende Stroemung. Es badet auch keiner drin; aber es wird geangelt.

Die Menschen haben Ecken und Kanten, echte Charaktere eben. Sie sind aber alle sehr freundlich, wenn man erstmal durch die kratzbürstige Schale gedrungen ist. Ein bisschen Geknurre gibt es immer, aber das ist bei uns auch nicht anders, wenn man mit einem Haufen quietschiger Studenten irgendwo hin kommt.

21. Juni 2008

Jeanne d'Arc mit Levallois-Kern

Argenton-sur-Creuse: Nachts am Küchentisch

Übermorgen geht es schon wieder nach Frankreich, nach Argenton-sur-Creuse diesmal. Argenton liegt südlich von Paris, etwa zwei Stunden Autofahrt. Das ist die Gegend, in der sich Jeanne d'Arc herumgetrieben hat - und eben auch mittelpaläolithische Menschen. Die Gegend ist bestimmt schön, aber das Wetter wird durchwachsen sein. Und ob wir in diesem Jahr einen Swimming Pool im Hotel haben werden, ist auch noch nicht so ganz klar. Naja, wir werden sehen.

31. Mai 2008

Herrentiere - Primates

Nach dem Regen

In Des deutschen Spießers Wunderhorn hat Gustav Meyrink im Jahr 1913 eine wunderbare Spottgeschichte zum Thema 'militärischer Patriotismus' publiziert: Schöpsoglobin. Dabei handelt es sich um einen Impfstoff, der von Prof. Dredrebaisel entwickelt wurde. Um Schöpsoglobin zu herzustellen, wird zunächst ein Kalb gegen Pocken geimpft. Man gewinnt das Serum und impft damit ein Faultier sowie einen Schöps, also "ein männliches, aber chirurgisch korrigiertes Schaf" - daher der Name. Beim Kalb hatte Prof. Dredrebaisel beobachtet, dass der Pockenimpfstoff eine Art 'Vaterlandsverteidigungstrieb' auslöste. Der amerikanische Schlaufuchs, der dem deutschen Profesor bei der Vermarktung seiner Entdeckung behilflich war, bemerkte sogleich, dass die Wirkungsverstärkung vermutlich im minderwertigen Denkvermögen des Tieres begründet lag.

Diese beiden Herren, Dredrebaisel und Slyfox begaben sich nun nach Borneo, um ihre Erfindung an Orang Utans auszuprobieren. Den durch Dummheit, Faulheit und fehlende Männlichkeit verstärkten Wirkstoff impften sie zweihundert Exemplaren.

"Die unheilvollen Folgen, die das Zusammensperren so vieler starker Tiere nach sich ziehen sollte, konnte natürlich niemand vorausahnen. Die Schreckensnacht, in der die Affen ihre Käfige zerbrachen und alleskurz und klein schlugen, den Professor D. D. und die malaischen Wärter töteten, hätte bei einem Haare auch Mr. Slyfox (er entrann nur wie durch ein Wunder dem Tode) das Leben gekostet."

Das Schöpsoglobin rief jedoch weitere, unerwartete Nebenwirkungen bei den Orang Utans hervor:

"Von einem sicheren Verstecke aus hatte der Amerikaner genau beobachten können, wie die Affen nach schier endlosem Geschnatter aus ihrer Mitte einen Anführer wählten - und zwar jenes Exemplar, das schon während seiner Gefangenschaft als gänzlich vertrottelt allgemein aufgefallen war - und ihm sodann Goldpapier (!) , das sie in einer zertrümmerten Kiste gefunden hatten, auf das Gesäß klebten. (...) Die Orang-Utans scharten sich nämlich in Trupps, nahmen Äste und Ruten, oder was sie sonst in der Eile erwischten, über die Schulter und zogen eng aneinander geschart, während der Anführer mit wichtiger Miene ein Stück vorausschritt, aufrecht durch die Urwaldpfade. Von Zeit zu Zeit stieß der Goldbeklebte ein schmetterndes: Gwääh - Gwegg, Gwääh - Gwegg aus und dann kam es über alle wie eine finstere Extase."
Schöpsoglobin in Des deutschen Spießers Wunderhorn, Gustav Meyrink

Gegen die solcherart mit Patriomanie geimpften Orang Utans hilft lediglich, sich selbst das Hinterteil entsprechend zu dekorieren. Das schöne Bild oben stammt übrigens aus Alfred Russel Wallaces 'Malay Archipelago' und ist somit knapp 50 Jahre älter als Meyrinks Erzählung. Kurt Tucholsky hat nicht nur Auszüge aus dem Schöpsoglobin seiner Erzählung Der Affe mit dem Leierkasten als Epigraph vorangestellt, sondern auch für einen Kommentar zu den Verhaltensexperimenten Köhlers auf Teneriffa genutzt.

Na, Anfang des vergangenen Jahrhunderts war jedenfalls die Tierwelt noch in Ordnung: Es gab Tiere en masse. Hundert Jahre später können wir von Glück reden, wenn es in Borneo noch zweihundert Orang Utans geben sollte.

30. Mai 2008

Katzen-Jammer

am Küchentisch in morgendlichem Schaffensdrang

Es gibt eine Geschichte von Lovecraft, in der er die grausame Rache der Katzen an einem sadistischen Paar beschreibt. Im Grunde steckt hinter der Geschichte nicht viel, jedenfalls nicht im gleichen Sinne wie in H. P. Wells' Hochöfen.

In Ulthar lebte ein Pärchen, das sein "Vergnügen daran fand, die Katzen der Nachbarn in Fallen zu fangen und umzubringen." Die anderen Bewohner Ulthars stören sich zwar daran, unternehmen aber nichts; denn es ist ihnen immer noch lieber, es sterben Katzen als ihre Kinder. Eines Tages nun kommen Fremde in die Stadt.

"Aus welchem Land die Wanderer stammten, vermochte keiner zu sagen; doch zeigte sich, daß sie seltsamen Gebeten zugetan waren, und daß sie auf die Seiten ihrer Wagen merkwürdige Figuren mit menschlichen Körpern und den Köpfen von Katzen, Falken, Widdern und Löwen gemalt hatten. Und der Führer der Karawane trug einen Kopfputz mit zwei Hörner und einer eigentümlichen Scheibe dazwischen."
Die Katzen von Ulthar, Howard P. Lovecraft

Leser im 21. Jahrhundert nehmen nun wahr, dass es sich offenbar um Reisende aus dem Land der Pharaonen handeln muss, denn wir erkennen Isis' Kopfputz in der Beschreibung wieder. Unter den Reisenden ist ein kleiner Junge, Menes, der ein kleines Kätzchen nach Ulthar bringt.

"Zu dieser sonderbaren Karawane gehörte ein kleiner Junge, der weder Vater noch Mutter hatte, nur ein winziges schwarzes Kätzchen zum Liebhaben. Die Pest war zu ihm nicht freundlich gewesen, hatte ihm jedoch dies kleine bepelzte Wesen zur Linderung seiners Kummers gelassen; und wenn man sehr jung ist, kann man in den lebhaften Possen eines schwarzen Kätzchens viel Trost finden. So lächelte der Junge, den die dunkelhäutigen Leute Menes nannten, viel öfter als er weinte, wenn er mit seinem anmutigen Kätzchen spielend auf den Stufen eines wunderlich bemalten Wagens saß."

Menes' Kätzchen verschwindet nun eines Tages. Die Bewohner Ulthars erzählen ihm von dem finsteren Paar - und was macht Menes? "Und als er diese Dinge vernahm, wich sein Schluchzen tiefem Nachdenken und schließlich einem Gebet."

Damit beschwört Menes merkwürdige Dinge herauf. Isis ist darunter, aber offenbar auch weitere Bewohner des ägyptischen Pantheons wie zum Beispiel Bastet. Am nächsten Tag ziehen die Wanderer weiter. Bald darauf stellen die Bewohner Ulthars fest, dass sämtliche Katzen spurlos verschwunden sind. Für einen Teil ist klar, dass das Verschwinden mit dem alten Paar in Verbindung steht. Andere sind der Meinung, dass Menes' seltsames Ritual das Verschwinden der Katzen bewirkt hat. Beide haben recht, wie sich zeigen wird.

Am nächsten Morgen sind alle Katzen mit einem Mal wieder da - sehr geschmeidig und fett. Sie haben auf Tage hinaus keinen Hunger und wollen nicht fressen. Es dauert eine Weile, bis den Bewohnen Ulthars auffällt, dass im Haus des finsteren Paares kein Licht brennt. Sie schauen nach und stellen fest, dass von ihnen nur sauber abgenagte Skelette übrig geblieben sind.

Die Cats of Ulthar gibt es hier vollständig. Die Geschichte entstand im Jahr 1920. Lovecraft war ausgemachter Katzen-Liebhaber. Vermutlich steckt also gar nichts weiter hinter der Geschichte als der mögliche Verlust eines bepelzten Lieblings.

29. Mai 2008

Schlaumeier, Besserwisser, Nervensägen

Morgens am Küchentisch

Eigentlich hatte ich vor, meine Sammlung von Raubtier-Lyrik noch ein wenig zu erweitern. Es gibt auch noch ein paar gute Kandidaten dafür. Aber vorher kehre ich zu einem anderen Lieblingsmotiv zurück: Joseph Conrad. Hier ist eine hervorragende Charakterisierung aller schlaumeiernden und besserwisserischen Zeitgenossen, die sich in den vergangenen Wochen ganz besonders viel Mühe gegeben haben, an meinen Nerven zu sägen.

"Er war von jenem unwiderstehlichen Drang besessen, seine Kenntnisse mitzuteilen, der untrennbar mit krasser Unwissenheit verbunden ist. Der unwissende Mensch weiß stets über irgendeinen Gegenstand Bescheid, der dann zum einzig kennenswerten Gegenstand wird und das Universum des Ignoranten ausfüllt."
Der Verdammte der Inseln, Joseph Conrad

Ich arbeite daran, diesen Gurkennasen mit yogischem Gleichmut zu begegnen. Aber was macht man, wenn man einem solchen Zeitgenossen bereits auf den ersten Blättern eines Buches begegnet, es sich um die Hauptfigur handelt und man weiß, dass man ihn von nun an lange Zeit an der Backe haben wird? Unterträglicherweise ist die Besessenheit des Protagonisten nun auch noch selbstreflexiv.

"Willems wußte nun alles über sich selbst. Seit dem Tage an dem er unter großen Befürchtungen heimlich den holländischen Ost-Indienfahrer in Samarang verlassen hatte, betrieb er das Studium der eigenen Person, der eigenen Verhaltensweisen, der eigenen Fähigkeiten, also jener das Schicksal bezwingenden Eigenschaften, welche ihn zu der einträglichen Stellung geführt hatten, die er nun einnnahm."

An Conrads Stelle wäre mir zum Weglaufen zumute bei dem Gedanken, die nächsten paar hundert Seiten mit diesem Unsympathen zubringen zu müssen. Aber vielleicht ist die Sektion ja der befriedigendere Weg ...

16. Mai 2008

Feuerspracht

The tyger

Tyger, tyger, burning bright
In the forests of the night,
What immortal hand or eye
Could frame thy fearful symmetry?

In what distant deeps or skies
Burnt the fire of thine eyes?
On what wings dare he aspire?
What the hand dare seize the fire?

And what shoulder and what art
Could twist the sinews of thy heart?
And, when thy heart began to beat,
What dread hand and what dread feet?

What the hammer? what the chain?
In what furnace was thy brain?
What the anvil? what dread grasp
Dare its deadly terrors clasp?

When the stars threw down their spears,
And watered heaven with their tears,
Did he smile his work to see?
Did he who made the lamb make thee?

Tyger, tyger, burning bright
In the forests of the night,
What immortal hand or eye
Dare frame thy fearful symmetry?

William Blake (1794)