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14. August 2008

Etappe 4: Eisfeld - Bücheloh

Tour-Tagebuch: Abendrot in Bücheloh

Wieder Glück mit dem Wetter! Die heutige Etappe führte zunächst weiter entlang der Werra bis zur Fehrenbach-Quelle. Der Weg ging über Sachsenbrunn in den Wald und dann immer nach oben, bis wir an diesen wunderschönen See kamen. Vermutlich waren wir da immer noch kilometerweit von der eigentlichen Fehrenbach-Quelle entfernt, aber es war so wunderschön, dass es in unseren Augen als Ursprung der Werra glatt durchgeht. Wir haben hier eine kurze Pause eingelegt, Vögel aufgescheucht und Fischen beim Rumpaddeln zugesehen. Dann machten wir uns an den letzten Aufstieg zum Rennsteig, auf den wir zwischen Pechleite und Eselsberg trafen.

Über den Eselsberg sind wir übrigens auch noch drüber gefahren. Mit 841,5 m üNN erreichten wir den höchsten Punkt unserer Tour. Dort oben gibt es übrigens ein Restaurant und einen weiteren, etwa 20 m hohen Turm, von dem aus man einen fantastischen Rundblick hat. Wir orientierten uns kurz und machten uns dann auf den weiteren Weg, der uns über Masserberg nach Neustadt am Rennsteig führte. Hier kurze und späte Mittagspause und dann gings ab im Sausewind nach Ilmenau. Ab Masserberg führt der Radweg an der Bundesstrasse entlang, was einerseits schade ist (viel Autoverkehr), andererseits aber wesentlich sicherer. Die Abfahrt hat an manchen Stellen 12 % Gefälle und es ging ganz schön fix dahin. Kopfsteinpflaster oder Kies und Schotter hätten unter Garantie zu aufgeschlagenen Knien geführt.

Nach unseren vier Tagen in der Wildnis kam uns Ilmenau wie eine Metropole vor. Wir gingen shoppen! Die Altstadt da ist eine Fußgänger-Zone und man kommt ziemlich gut herum. Am schicksten fand ich ja die Thermometer-Säule, die nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet ist. Die Himmelsrichtungen (und Tageszeiten) werden durch vier verschiedene Tiere angezeigt: der Hahn, die Bienen, die Fledermaus und die Eule. Sehr süß!

Übernachtet haben wir dann 6 km nördlich von Ilmenau, in Bücheloh. Bücheloh ist ein Straßenort mit einer Kneipe, der Buche, und drei Pensionen. Die Buche wird geführt von mehreren Generationen der Familie Böhm. Herr Böhm ist ein Bücheloher Urgestein und hat uns sehr beeindruckt. Mir gefällts in Bücheloh, insbesondere weil wir beim abendlichen Waldspaziergang ein phänomenales Abendrot sehen konnten. Klasse!

13. August 2008

Etappe 3: Meiningen - Eisfeld

Tour-Tagebuch: Im Wirtshaus im Wald

Heute früh hatte der Regen sich dann verzogen. Der Himmel war voller dicker Schäfchenwolken. Am heutigen Tag folgten wir dem Verlauf der Werra flußaufwärts bis nach Eisfeld. Der Werratal-Radweg ist wirklich luxuriös. Sogar scharfe Kurven sind extra ausgeschildert.

Am Kloster Veßra gibt es eine erste Steigung, dafür gehts aber auch wieder bergab. Fortan war die Strecke etwas hügeliger, aber nie wirklich lange. Wir waren ja durch die Hochrhön-Etappe schon präpariert und hatten Bergbeine entwickelt. In Trostadt legten wir eine kleine Pause ein - in einer Klostermühle mit fantastischem Essen. Hinter Trostadt kamen wir dann durch Hildburghausen. Möglicherweise war ich da einfach überfordert, aber ich war extrem genervt vom städtischen Verkehr und den finster dreinblickenden Zeitgenossen, die sich dort auf der Straße herumgedrückt haben.

Ab hier wurde die Strecke dann - etwas ärgerlich - hügelig. Eigentlich führt der Werratal-Radweg auf halber Höhe den Hang entlang. Bei jedem Weiler leitet die Beschilderung aber wieder hinunter zur Werra, man passiert das einzige Wirtshaus am Ort und dann gehts wieder hinauf. Unsere Beine wurden schwer und wir verweigerten uns dieser Marketing-Strategie. Jedenfalls habe ich mir vorgenommen, beim nächsten Mal nur noch den GPS-Koordinaten zu folgen.

Unser Etappen-Ziel war Eisfeld. Dort haben wir uns in einem Waldgasthof einquartiert. In Eisfeld angekommen, stellten wir zunächst einmal fest, dass der Gasthof mitten im Wald liegt: "an der ehemaligen Zonengrenze". Heute liegt er leider an einer stark befahrenen Bundesstraße - idyllisch. Für die Wirtsleute in diesem Etablissement ist scheinbar die Zeit stehen geblieben. So unfreundliche Leute hab ich schon lange nicht mehr getroffen. Mißtrauischen Blicks hocken sie auf den Schwarzwald-Deko-Balkonen ihres Gasthofs und stieren neidisch über den mentalen Gartenzaun. Das Essen ist Maggi, die Zimmer zwar sauber, aber wahrhaftig nicht preiswert. Gleichgültig, für eine Nacht ist es auszuhalten, schreit aber weiß Gott nicht nach einer Wiederholung. Immerhin hat Eisfeld seit kurzem eine eigene Abfahrt von der A9 - und vielleicht öffnen sich ja dadurch auch neue geistige Perspektiven für die Eisfelder.

12. August 2008

Etappe 2: Oberelsbach - Meiningen

Tour-Tagebuch: Kultur am Abend

Auf dem zweiten Abschnitt unserer Tour stand eine flachere Etappe an. Leider regnete es schon vom Morgen an. Bis Mellrichstadt ging es zunächst ein Stück den Main-Rhön-Radfernweg entlang. Ostheim vor der Rhön, einer unserer ersten Etappen-Stopps, liegt an der Streu. Das hat die Stadt genutzt, um Informationstafeln zum Thema Gewässer-Ökologie aufzustellen. An denen führte nun unsere Route großenteils entlang. Die Streu ist wahrhaft ein malerisches Gewässer mit allen Mühlen, Brücken, Enten und so weiter. In Ostheim begann es dann stärker zu regnen. Wir fuhren weiter nach Mellrichstadt.

Zwischen Mellrichstadt und Meiningen hätten wir eigentlich dem Main-Werra-Radwanderweg folgen wollen. Aber nach einer längeren Kaffeepause in Mellrichstadt quälten wir uns durch den Regen noch bis Rentwertshausen und beschlossen dort, das letzte Stückchen bis nach Meiningen mit dem Zug zu fahren. Der Regen war zwar nicht besonders stark, aber unablässig und auf jeder Hügelkuppe warfen uns windige Böen fast vom Rad. Damit haben wir die Hälfte der Tagesetappe ausgelassen. Schade, denn die Gegend war eigentlich sehr schön.

So erreichten wir Meiningen unerwartet früh und halbwegs wieder getrocknet. Wir fanden eine trockene Unterkunft und machten uns zu Fuß auf Erkundungstour. Meiningen, die Theaterstadt, ist eine Perle an der Werra. Sogar Goethe hat sich zeitweise hierher verlaufen, vor allem aber Jean Paul, der nach einem Jahr wieder ging - angeblich, weil ihm das Bier zu sauer war. Uns jedenfalls hat das Bier geschmeckt. In Form von Hütes haben wir eine weitere kulinarische Entdeckung gemacht, die uns dann doch mit dem unfreundlichen Regenwetter wieder versöhnt hat. Meiningen war definitiv einen Abstecher wert!

11. August 2008

Etappe 1: Frankfurt - Fulda - Oberelsbach

Tour-Tagebuch: Ab in die Rhön!

Auf unserer ersten Etappe gings zunächst mit dem Zug nach Fulda. Beim Aussteigen habe ich mir gleich erste Blessuren zugezogen. Ich wollte einem heran spurtenden Mann mit Kinderwagen ausweichen und bin natürlich prompt samt dem Fahrrad auf den Bahnsteig geplumpst. Dabei habe ich mir nun den linken Knöchel angeschlagen.

Von Fulda aus folgten wir zunächst dem Milseburg-Radweg. Der führt durch die Kuppen-Rhön. Man kann sogar ein Stückchen durch einen alten Eisenbahntunnel fahren. Klasse! In Hilders, bei Kilometer 28, legten wir eine Kaffee-Pause ein, bevor wir uns an den Aufstieg zur Hoch-Rhön machten.

Zwischen Hilders und Oberelsbach, dem zweiten Teil unserer Tagesetappe, folgten wir dem Rhön-Höhenweg. Im "Land der weiten Fernen" - hier hat sich ein Marketing-Mensch schwer ausgetobt - war es weniger idyllisch. Erstens mussten wir die meiste Zeit auf der Bundesstraße fahren. Da war zwar der Belag okay, aber durch den vielen Verkehr war die Streckenführung nicht so prickelnd. Außerdem waren wir nach dem sonnigen, ersten Abschnitt schließlich im Hochnebel gelandet, was mich unerwartet frösteln liess. Dort fuhren wir übrigens schon ein erstes, winziges Stückchen durch Thüringen.

Im Südosten der Hoch-Rhön ging es dann schließlich wieder bergab. Es war ziemlich steil und ich war ganz froh, dass der Radweg geteert war. Ansonsten hätte das ziemlich ins Auge gehen können, zumal wir dann auch schon ziemlich erledigt waren. Bei Einbruch der Dunkelheit kamen wir schließlich in Oberelsbach an, wo wir im einzigen Haus am Platz Nachtquartier bezogen. Das Essen da war fantastisch. Savoir vivre in Bayern halt.

29. Juli 2008

Giraffen sind fabelhaft!

Makuyuni, Abends im Busch

Es ist allerhöchste Zeit, mal ein Wort über meine Lieblingstiere in Afrika zu verlieren: Giraffen! Sie haben wunderschöne Augen. Außerdem haben sie weiche Lippen.

Trotzdem knabbern sie an Akazien herum, obwohl die doch diese garstigen Dornen haben. Leider findet man keine wirklich hilfreichen Hinweise darauf, wie sie das nun eigentlich bewerkstelligen, ohne sich dabei die Zunge oder die Lippen aufzureissen. Die Dornen stehen so dicht beieinander, dass die hier beschriebene Methode nicht wirklich funktionieren kann. Aber vielleicht zeigen sie ja hauptsächlich in eine Richtung. Damit könnte die Giraffe die Blätter von der anderen Seite mit der Zunge angeln.

Das Beste an den Giraffen ist aber ihr wiegender Gang. Sie schaukeln gemächlich an mir vorbei, werfen einen unbeteiligten Blick nach unten und verfolgen von da oben aus den Lauf der Dinge, unberührt von den Fährnissen der Welt und des irdischen Daseins der Winzlige zu ihren Füssen. Sie wirken, als ob sie nicht wirklich von dieser Welt wären. Ihrem außerirdischen Charakter eingedenk ist es auch nicht verwunderlich, dass es ein Sternbild 'Giraffe' gibt. Der majestätische Hals macht deutlich, seit wann Europäer um die Existenz von Giraffen wissen. Es wurde bereits im 17. Jahrhundert beschrieben, um eine vermeintliche Lücke im Sternenhimmel der nördlichen Hemisphäre zu schließen.

Die Puschel auf den Hörnern liefern übrigens einen leicht erkennbaren Anhaltspunkt, um die Geschlechter zu unterscheiden. Giraffen-Kühe tragen, wie ich jetzt gelernt habe, diese zauberhaften Puschel, Giraffen-Bullen sind an dieser Stelle kahl.

13. Juli 2008

Prolog: Glauburg-Stockheim - Lauterbach

Tour-Tagebuch: Der Berg ruft!

Das war heute die Übungsetappe für die geplante Radtour im August: 77 km mit 423 zu überwindenden Höhenmetern, deren Hauptteil sich im Laufe von 20 Kilometern zwischen Ortenberg und dem Col de Hartmannshain unüberwindlich übereinander türmen. Schroffe Basaltfelsen, die schrundigen Klüfte des Vogelsbergs und schließlich die sanften Hügellandschaften der mittelhessischen Provinz.

Wir nahmen die Etappe heute früh von Glauburg-Stockheim aus in Angriff. Dabei haben wir einen kurzen Blick auf das Grab des Keltenfürsten geworfen. Allerdings mussten wir dafür den ganzen Glauberg hochfahren - und so war unser Einstieg in den Vulkanradweg ja nicht gedacht. Ich hatte beim Einstieg leichte technische Probleme, so dass C. in Führung ging. Der neutralisierte Start erfolgte dann glücklicherweise erst in Stockheim, als es mir gelungen war, meine technischen Schwierigkeiten zu ignorieren.

Von Stockheim aus ging es zunächst eben bis Ortenberg. Kurz hinter Ortenberg folgte dann aber der erste, bereits recht scharfe Anstieg auf die Höhe von Hirzenhain. Bei km 20 passierte die Strecke Gedern. Von dort aus schraubte sie sich Haarnadelkurve um Haarnadelkurve unerbittlich in luftige Höhe. Man biegt um eine Kurve und steht vor einer Wand! Am Ende der trotz trockener Bedingungen an der Strecke anspruchsvollen Steigungen erreichen wir den Col de Hartmannshain, den höchsten Punkt der Strecke. Auf der offenen baumlosen, durch Windrotoren gekennzeichneten Höhe wehte ein strammer, leicht von vorn kommender Wind.

Am Col de Hartmannshain gab es die erste und einzige Bergwertung dieses Tages, bei der ich natürlich in Erwartung der Verpflegungsstelle die maximale Punktzahl einstreichen konnte. Die erste Etappe werde ich daher im gepunkteten Trikot fahren können. Hinter der Verpflegungsstelle (die uns im übrigen prima mit Vanilleeis mit heißen Kirschen versorgt hat) stürzt sich die Route ebenso schroff, wie sie im Vorfeld anstieg, wieder hinunter. Am Fuße dieses langen und schwierigen Abstiegs, der högschde Konzentration erforderte, lag C. in Führung und sicherte sich damit das grüne Trikot für die erste Etappe.

Zwischen Grebenhain und Herbstein verläuft die Strecke relativ eben. Wir wechselten uns in der Führungsarbeit ab und machten eine kurze Stretch-Pause. Von Herbstein, wo wir den in der Karte eingezeichneten Galgen vergeblich gesucht haben, führt die Route dann wieder steil abwärts bis nach Lauterbach. Der Bahnhof liegt am anderen Ende. Die Strecke führt über Kopfsteinpflaster und unsere gequälten Hinterteile haben aufgejault. Am Ende (und nach zweieinhalbstündigem Amüsement in der Bahn) haben wir es dann aber dennoch geschafft und sind wohlbehalten und ohne größere Blessuren wieder daheim.

9. Juli 2008

Muskelkater

Tübingen, Nachmittag mit Schäfchenwolken

Noch immer bin ich in der schwäbischen Provinz. Aber soviel Ruhe und Abgeschiedenheit hat auch seine Vorteile. Ich komme richtig in Ruhe zum Denken - Muße ist ein schönes Wort dafür.

Tübingen ist, wie sein italienisches Pendant, auf mindestens sieben Hügeln erbaut. Egal, wo man herkommt und egal, wo man hinmöchte - ersteres ist stets unten und letzteres immer oben. Um in den Lessingweg zu gelangen, muss ich eine lange, gewundene Straße den Hügel hinauf nehmen. Und die ist ziemlich steil. Sogar die Fahrspuren für den motorisierten Verkehr mussten geteilt werden, weil es dort nicht genügend Platz gibt für zwei nebeneinander. Auf dem Weg zum Institut habe ich die Auswahl zwischen einem langen, steilen, gewundenem Anstieg und einer Treppe mit mindestens hundert Stufen. Letztere ist mir meist lieber. Allerdings leiden auf Dauer die Knie erheblich. Mit Blick auf meine höchstpersönliche Mobilität könnte ich auf die Hügel gut und gern verzichten.

Gestern war ich im Sportstudio trainieren. Dort konnte ich festgestellen, dass die Tübinger im Vergleich zu denen zuhause von vornherein schätzungsweise zwanzig Pfund mehr auf solche Maschinen packen, mit denen Beinmuskeln trainiert werden können. Was lernen wir daraus? Die Tübinger haben dank ihrer Trepp-ab-Hügel-auf-Topographie alle ziemlich muskulöse Oberschenkel. Sie gucken auch ziemlich verbissen. Ob das auch an den Hügeln liegt?

7. Juli 2008

Lessing statt Voltaire

Tübingen, kurz vorm Abendessen in der schwäbischen Provinz

Mal eben Voltaire gegen Lessing eingetauscht. Jetzt frag ich mich natürlich, ob das so eine gute Idee war. Aber Tübingen ist sehr gemütlich, schwäbisches savoir vivre, wenngleich vielleicht auch nicht mit französischer Eleganz. Aber gut gehen lassen kann man es sich schon hier.

Im Augenblick bescheint die Sonne die Altstadt weiter unten vor meinem Fenster. Ein Lüftchen säuselt durch die Blätter, die leise rascheln. Ich habe im Lessingweg Quartier bezogen. Eigentlich hat Tübingen, soweit ich sehen kann, sonst nichts mit Lessing zu tun. Aber immerhin war Lessing ein Zeitgenosse Voltaires und die beiden sind sich wohl auch begegnet, wenn auch in Berlin und nicht in Tübingen.

6. Juli 2008

Café Le Voltaire

Argenton-sur-Creuse: Blaue Stunde am späten Nachmittag

"Le travail éloigne de nous trois grands maux: l'ennui, le vice, et le besoin."
Candide, ou l'optimisme, Francois Marie Arouet Voltaire

Nach ein paar regnerischen Tagen sitzen wir jetzt verträumt, aber immerhin trocken vor dem Café Le Voltaire. Die Sommer-Schule neigt sich ihrem Ende und bald geht es wieder nach Hause ins Hamsterlaufrad.

Das soll mich aber nicht davon abhalten, hier nochmal über einem Demi zu philosophieren. In Ruhe geht das sowieso alles viel besser als daheim, wenn die Gedanken einander durch mein Hirn hetzen. J. zufolge hängt das alles mit meiner mehr oder minder calvinistischen Erziehung zusammen. Ich gönne mir keine Pause, weil ich ständig in Betrieb sein muss; sonst fühle ich mich schuldig. Da ist durchaus was dran. Aber was hilft da die Selbsterkenntnis? Wenn man doch willentlich nichts daran ändern kann? Schuldgefühl ist nunmal mit Ratio nicht beizukommen.

Argenton-sur-Creuse ist jedenfalls der entspannten Betrachtung eigener Mängel zuträglich. Ich weiß zwar immer noch nicht, wie ich mein Problem lösen kann, aber ich arbeite dran.

25. Juni 2008

Im Herzen Frankreichs

Nachmittag in Argenton-sur-Creuse

Seit zwei Tagen bin ich wieder in Frankreich. Diesmal war mein Aufenthalt in Paris aber nur sehr kurz - eine Nacht. Es ging sofort weiter nach Argenton, und das liegt mitten in Frankreich. Wirklich mitten drin. Geologisch gesehen befinden wir uns genau an der Grenze zwischen dem Pariser Becken und dem Massif Central.

Wenn man sich hier so umtut, merkt man sehr schnell, dass es überraschend wenig Vorbehalte gegenüber Deutschen gibt. Da ich Frankreich auch schon anders erlebt habe, ist das sehr angenehm. Im Gegenteil: Hier in Argenton ist Frankreich genau so, wie sich das ein romantisches deutsches Hirn zusammenspinnt. In der Ortsmitte gibt es zwei Cafés, natürlich genau gegenüber gelegen und getrennt durch die Hauptstrasse. Und selbstverständlich ist es eine Glaubensfrage, ob man nun das eine oder das andere frequentiert. Ansonsten gibt es nicht viel: einen Laden, Enten in der Creuse, in der angeblich gebadet werden kann, ein Supermarkt draußen auf der grünen Wiese. Das mit dem Bad habe ich noch nicht ausprobiert. Ehrlich gesagt hat die Creuse dank hunderter kleiner Dämme eine Respekt einflössende Stroemung. Es badet auch keiner drin; aber es wird geangelt.

Die Menschen haben Ecken und Kanten, echte Charaktere eben. Sie sind aber alle sehr freundlich, wenn man erstmal durch die kratzbürstige Schale gedrungen ist. Ein bisschen Geknurre gibt es immer, aber das ist bei uns auch nicht anders, wenn man mit einem Haufen quietschiger Studenten irgendwo hin kommt.